WissZeitVG

Wissenschaftszeitvertragsgesetzes

08.02.2023
Wissenschaftszeitvertragsgesetzes Übergabe des ver.di Positionspapier zur Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetztes an Dr. Lina Seitzl, SPD


Übergabe des ver.di Positionspapier zur Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetztes an Dr. Lina Seitzl, SPD

92 Prozent des hauptberuflichen wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Personals unter 45 Jahren sind befristet

An Hochschulen und Forschungseinrichtungen gehören befristete Verträge zum Alltag. Über 90 Prozent des wissenschaftlichen Personals – ohne Professor*innen – hangelt sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten. Auch in Technik und Verwaltung wird an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen mehr befristet als in der öffentlichen Verwaltung oder in der Privatwirtschaft.

Ver.di fordert eine grundlegende Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Der Handlungsdruck ist groß: Wie der aktuelle Bundesbericht wissenschaftlicher Nachwuchs ausweist, lag der Anteil befristet Beschäftigter in dieser Gruppe (hauptberufliches wissenschaftliches bzw. künstlerisches Personal unter 45 Jahren ohne Professor*innen) 2018 bei 92 Prozent. Damit hat sich der Prozentsatz gegenüber der letzten Wissenschaftszeitvertragsgesetz-Novelle nicht signifikant verändert (2015 bei 93 Prozent). Die im Mai veröffentlichte Evaluation weist als durchschnittliche Vertragslaufzeit 20 Monate aus- ein Zeitraum, der weder für Promotionen noch für Habilitationen oder vergleichbare Leistungen noch für den Abschluss typischer Forschungsprojekte ausreicht. Die anstehende Novelle muss sich an dem Maßstab messen lassen, den fatalen Befristungs-Wildwuchs, Kurz- und Kettenverträge endlich zu beenden. Vor diesem Hintergrund formuliert ver.di ihre Anforderungen an die von der Bundesregierung angekündigte Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG).

Ver.di fordert in ihrem Positionspapier, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Promotion befördern, verlässliche Perspektiven für promovierte Wissenschaftler*innen, eine Anpassung der Voraussetzungen der Drittmittelbefristung an den Standards des allgemeinen Arbeitsrechts sowie die uneingeschränkte Möglichkeit, Arbeitsbedingungen auch in der Wissenschaft durch Tarifverträge und betriebliche Vereinbarungen zu gestalten.

Dieses Positionspapier wurde am Mittwoch symbolisch von der ver.di Betriebsgruppe Konstanz zusammen mit Betroffenen an das Mitglied im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technologiefolgenabschätzung Dr. Lina Seitzl, SPD Konstanz an der Universität Konstanz übergeben.

„Unbefristete Arbeitsverträge sind der Normalfall. Die Befristung von Verträgen braucht einen sachlichen Grund. Dieser Grundsatz des europäischen Arbeitsrechts muss auch in der deutschen Wissenschaft gelten. Auch in der Wissenschaft muss es für Daueraufgaben Dauerstellen geben.“ so Gabriele Strnad, ver.di Gewerkschaftssekretärin.